Lesepredigt zum Mitnehmen

Pfingsten 2020

Evangelium: Apostelgeschichte 2, 1-13
Predigttext: „Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch geboten habe.”

Liebe Gemeinde,

heute feiern wir Pfingsten. Wir werden daran erinnert, wie der Geist Gottes, die Jünger erfüllte und wie die christliche Kirche entstand. Wir werden auch daran erinnert, dass der Geist Gottes auch heute, auch jetzt gegenwärtig ist und Menschen verändert und in Bewegung setzt.

Im Johannesevangelium bezeichnet Jesus den Geist Gottes als „Tröster“. Der Heilige Geist tröstet. Wir brauchen Trost.

Da sagt jemand: „Dass meine Kinder nicht zur Schule gehen können und wir nun immer beieinander hocken strengt fürchterlich an. Ich kann nicht mehr. Wir nerven uns nur noch gegenseitig.“

Ein anderer spricht: „Die immer wieder wechselnden teils unausgegorenen Vorgaben der Politik geben mir keine Sicherheit in der Ausübung meines Berufs. Ich muss immer irgendwie improvisieren und ich habe Angst, meine Arbeit zu verlieren.“

Eine Frau äußert sich frustriert: „Es funktioniert nicht richtig, dass ich als Mutter nun auch die Lehrerin der Kinder sin soll und mit ihnen den Wochenplan der Schule bearbeiten muss.“

Wieder jemand stöhnt: „Ich habe Angst, mich mit anderen zu treffen. Das fehlt mir so. Telefon und Internet sind dafür kein Ersatz. Wie das mit dem Urlaub dieses Jahr gehen soll, ist mir noch völlig unklar. Und wenn ich daran denke, dass diese Corona-Situation noch viele Monate so weitergeht…“

Leben ist anstrengend. Manches macht das Leben richtig schwer: Krisen, Krankheit, das Ende von Beziehungen, Schuld, Fehlentscheidungen, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit.

Auch wir gehören immer wieder zu diesem Heer der Verzagten.

Hier setzt der Predigttext an, wenn er vom „Tröster“ spricht. Gott, der Tröster wird wichtig, wenn wir nicht mehr weiterwissen. Den tröstenden Geist Gottes haben wir bitter nötig, wenn wir zweifeln, ob Gott sich überhaupt zu uns stellt. Man kommt in die Situation, wo die Macht des Unglaubens aufbricht, wo man meint, der Tod würde siegen und Gott unterliegen.

Jesus Christus hat uns den Heiligen Geist zugesagt als Beistand. Der Heilige Geist hilft uns, unseren Glauben und unsere Hoffnung in dieser Welt zu bewahren.
Der Geist Gottes richtet die Niedergeschlagenen auf.  Manche von uns können davon erzählen: Als der Ehemann starb, und man das Gefühl hatte, es geht nicht mehr weiter. Wie kriege ich mein Leben nun wieder in den Griff? Da waren Menschen, die einem weiterhalfen, die zuhörten, die die Trauer mit aushielten. Das war die Wirkung des Heiligen Geistes.

Der Geist Gottes tröstet: Als der Heilungsprozess nicht weiterzugehen schien; die Krankheit zehrte an einem, die Nerven lagen blank, und irgendwo das Wort des Arztes: „Sie werden wieder gesund werden.” „Ich werde wieder gesund werden.“ Eines Tages spürte man, wie die Lebenskraft in einen hineinfloss. Das war die tröstende Wirkung des Heiligen Geistes.

Christen sind nicht alleingelassen, sondern Begleitete, Bewahrte, Geführte - auch wenn wir das oft nicht merken.

Das griechische Wort, das Luther mit „Tröster“ übersetzt hat, kann man auch mit Beistand, Anwalt, Helfer, Fürsprecher übersetzen.

Da merken wir: es geht noch um einen ganz anderen Bereich seiner Hilfe. Wir werden an Ankläger erinnert, an Angeklagte, an Anwälte, an Gerichtssituationen. Es geht um eine Auseinandersetzung. Es geht um einen Kampf um die Wahrheit. Der Heilige Geist hat also auch die Funktion, uns in der Wahrheit zu halten, auf dem richtigen Weg zu halten. In einer Gesellschaft die durch Pluralität und Beliebigkeit zerfällt, ist es wichtig, Verbindlichkeit zu erfahren, eine Richtung aufzuzeigen, wie wir leben und handeln. Und so ist der Heilige Geist auch Fürsprecher, der uns die rechten Worte gibt, mit denen wir in der Welt wirken.

„Der wird euch an alles erinnern”. Er vergegenwärtigt das, was von Jesus in den Evangelien aufgeschrieben worden ist. Zum Beispiel das höchste Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt.“ Jesu Leben und Lieben erzählt davon, wie sich Gott zu uns Menschen stellt und wie er darauf wartet, dass wir ihm durch Liebe und das Tun des Gerechten antworten.

Der Heilige Geist ist „Der kleine Trommler in uns.”, der beharrlich ruft.

Der wird euch an alles erinnern. Das „Erinnern“ kann auch so geschehen, dass uns in einer leidvollen, undurchschaubaren, belastenden Situation ein Wort aus der Bibel oder eine Geschichte einfällt. Wir haben nicht angestrengt nachgedacht, sondern es kam zu uns, es war auf einmal da. Und zwar das, was wir in dem Moment brauchten. Es erreichte unser Herz. Auf einmal wurde Wort Gottes für uns „lebendig“.

Gott, der Lebendige ist unter uns ja sogar in uns gegenwärtig.

Vertrauen wir darauf? Rechnen wir mit dem Wirken des Gottesgeistes in der Welt, so wie er damals an Pfingsten unter den Jüngern und in Jerusalem wirkte. Lassen wir uns noch bewegen?

Ich traue dem Geist Gottes das zu - auch heute.

Martin Luther sprach einmal von der Wirkung des Heiligen Geistes mit folgenden schönen Worten: „Der Heilige Geist macht den Menschen keck, fröhlich, mutig, ja beflügelt ihn zu einer heiteren Dreistigkeit, nahezu im Schwung des Übermutes das Leben anzupacken und zu gewinnen.“ Komm, heiliger Geist. Ergreife uns und lass das auch an und in uns geschehen. Amen.

Gebet

Erneure und bewege uns, leite und begleite uns.
Kehre du bei uns ein, damit Pfingsten wird - heute.
Amen.