Lesepredigt zum 3. Advent, 13. Dezember 2020


Predigttext aus dem Lobgesang des Zacharias Lukas 1, 67-79: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk…. Denn er erlöst aus der Hand unserer Feinde, dass wir ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit …. und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. 

„Gelobt sei der Herr, der Gott Israels!“
Das kann man sagen, wenn man etwas von Gottes Heilshandeln im Leben erfahren hat. Zacharias und Elisabeth hatten davon etwas erfahren. Die beiden lebten in Jerusalem. Sie waren gottesfürchtige, zufriedene Menschen, aber sie waren kinderlos, obwohl sie sich so sehr ein Kind gewünscht hatten. Oft hatten sie es versucht, oft hatten sie zu Gott gebetet; aber über die Jahre waren sie alt geworden und mussten sich mit ihrer Kinderlosigkeit traurig abfinden. 
Hinzu kam, dass in der damaligen Welt durch das Kind die Familie weiterlebte, die Sippe erhalten blieb. Kinder übernahmen außerdem die Fürsorge für die Eltern, wenn diese alt geworden waren, da es keine staatlichen Hilfen gab. Darum war die Kinderlosigkeit von Zacharias und Elisabeth doppelt schwer.

Zacharias war Priester und hatte die Aufgabe, im Tempel von Jerusalem zu opfern. Eines Tages als er dort im Tempel opferte, erschien ihm ein Engel. Dieser Engel verhieß ihm, dass Elisabeth einen Sohn gebären würde, der „Johannes“ heißen solle. Ein besonderer Mensch, ein Mensch, der mit dem Geist Gottes angefüllt sein wird. Dieser Johannes, so prophezeite ihm der Engel, würde viele Menschen zum Glauben an Gott hinführen. 
Zacharias zweifelte. Er konnte sich das wirklich nicht vorstellen. Das stand doch außerhalb von Gottes Möglichkeiten, dass Zacharias noch Vater werden würde. Deshalb bat er um ein Zeichen dafür, dass der Engel die Wahrheit sprach. Daraufhin sagte der Engel ihm, dass er bis zur Geburt des Sohnes stumm bleiben würde, was dann auch geschah.
Übers Jahr wurde Elisabeth schwanger. Sie gebar den Johannes. Und 8 Tage später als er, wie es damals üblich war beschnitten wurde, meinten die Nachbarn und Verwandten, er würde wie sein Vater „Zacharias“ genannt werden. Sie wunderten sich, als Zacharias auf eine Tafel schrieb: „Er heißt Johannes“, was „Gottesgeschenk“ oder Gott ist gnädig“ bedeutet. 

In diesem Moment öffnete sich sein Mund zum Gotteslob, nachdem ihm sein mangelndes Vertrauen in die wunderbare Verheißung Gottes monatelang die Sprache verschlagen hatte:
Gelobt sei der Herr, der Gott Israels. Denn Zacharias hatte das Heilshandeln Gottes hautnah erfahren!!

Wie oft loben wir Gott? Haben Sie Gott heute schon gelobt? Wieviel Platz geben wir dem Lob Gottes? 
Wir melden uns viel eher bei Gott, wenn wir etwas erbitten, wenn wir nicht mehr weiterwissen, wenn wir traurig sind. Die Klage ist uns oft näher als Lob und Dank. 
Wie wenig oder wie viel trauen wir Gott in unserem Leben zu. Es ist uns nicht fremd, dass der Zacharias Gott die Erfüllung des Kinderwunsches nicht zutraute. Er war doch viel zu alt für Gottes Möglichkeiten. 
Wir trauen Gott auch viel zu wenig zu. Wie viele Menschen in unserer Gesellschaft sehen sich als ähnlich „alt“ im übertragenen Sinne, weil sich ihre Hoffnungen, Sehnsucht und Träume nicht erfüllen, weil sie augenscheinlich ohne Zukunft sind. Wie viele stehen im Schatten, haben keinen Lebensmut mehr, keine Lebenskraft. 
Und dann kommt auch heute oft das Verstummen, wie bei dem Zacharias. Da wo Vertrauen schwindet, wächst die Sprachlosigkeit, da haben wir einander nichts mehr zu sagen. Da sterben mit der schwindenden Kommunikation die Beziehungen ab. Es geschieht der innere und oft auch äußere Rückzug in das Privatleben.
Wie sehr wünschen wir uns die Begeisterung des Zacharias, als er Vater wird. 
Er wird vom Heiligen Geist erfüllt. Begeistert legt er mit seinem Gotteslob los. Es sprudelt einfach aus ihm heraus. Dem Gott Israels gilt sein erstes Wort, weil dieser ihm die Zunge gelöst hat, ihn vor Freude jubeln lässt. In aller Ausweglosigkeit hat Gott ihm und seiner Frau Hoffnung und Zukunft geschenkt und sich seiner erbarmt.
Gelobt sei Gott! Gott loben, das ist das Erste.

Nun kommt das Zweite. „Gelobt sei Gott, denn er erlöst aus der Hand unserer Feinde.“ 
Haben Sie Feinde? Vielleicht gibt es Menschen die uns zu tragen geben, oder Menschen mit denen wir nicht gut können, oder Menschen die uns nicht wohl gesonnen sind. Aber Feinde?
Ich denke, wir können diese Worte des Zacharias mitsprechen, wenn wir „Feinde“ lesen, als all das, was Leben verhindert, Leben tötet:
Eine schwere Krankheit kann sein wie ein Feind gegen den man ankämpft.
Misstrauen und Neid sind wie ein Feind, der unsere Seele zerfrisst.
Eine Lebenskrise kann wie ein Feind sein, der uns in die Knie zwingt. Wofür lebe ich eigentlich noch? Es hat doch alles keinen Sinn mehr.
Auch der Tod ist wie ein Feind: Das Ende aller Beziehungen, das Ende des Lebens. Unausweichlich hart.
So gefüllt, wird uns das Wort vom „Feind“ ganz nah.
Nun soll da einer kommen, der errettet und erlöst von allen Feinden. Da soll einer kommen, der Licht ist in der Finsternis unseres Lebens, einer der später selber sagen wird: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.” 
Und Zacharias erkennt: das steht kurz bevor. Die Zeit der Erlösung, der Errettung aus der Hand der Feinde kommt durch Jesus Christus. Er wird bald geboren.
„Gelobt sei Gott, denn er erlöst und errettet uns von unseren Feinden.“ Ein schönes Lob. Ein ansteckendes Lob. Aber ist dieses Lob nicht zu vollmundig gesprochen? All das Leben zerstörende und Leben verhindernde, wie Missgunst, Lebenskrisen, Krankheit und Tod sind ja immer noch gegenwärtig.
Es ist wahr: Wir leben in einer Welt, mit Not, Krankheit und Tod. Aber wir leben hier als von Gott angenommene Menschen, wertvolle Menschen, von Gott geliebte Menschen. Wenn wir durch Schweres hindurch müssen, dann ist uns zugesagt, dass wir nicht in das Nichts hinein fallen, sondern dass uns am Ende Gottes Hände halten werden.
Unsere Sorgen sind nicht einfach weg, aber Gott kann uns Kraft schenken, dass wir auch über die Sorge drüber schauen können.
Auch schwierige verfahrene Situationen mit jemand anderem verändern sich oft, wenn man um Kraft zum Gespräch und den Mut zur Vergebung bittet, so dass man sich dem anderen nicht verschließt, sondern die Möglichkeit zur Versöhnung offen lässt.
Und wenn der Tod in unser Leben hinein bricht, dann dürfen wir hoffen, dass das nicht das Ende der Beziehung zu Gott ist, sondern unser Leben zu einem Ziel hinführt in Gottes Ewigkeit.
Wenn man bedenkt, wie Gott sich uns zugewendet hat und zuwendet, dann können wir mit in das Lob des Zacharias einsteigen. 
Nun kommen wir zum dritten: Beim Dritten da geht es darum, dass wir Gott den Weg bereiten und unsere Füße auf den Weg des Friedens richten lassen. 
Wir sind im Advent. Zeit der Lichter. Zeit der Erwartung des uns entgegenkommenden Gottes, Vorbereitungszeit auf Weihnachten, wo wir den mit dem Kind in der Krippe nahegekommenen Gott feiern. Aber Advent ist auch eine Zeit der „Erinnerung“, da Gott uns ja schon immer zuvorgekommen ist. Er ist ja schon da.
In dieser Situation der Erwartung und der Erinnerung geht es nun darum, Gott den Weg zu bereiten. 
Und da werden in dem Loblied drei Begriffe genannt, wodurch das geschehen soll: Leben in Heiligkeit, Gerechtigkeit und Frieden.
Und wir merken, dass wir Gott durch die Art wie wir unser Leben führen den Weg bereiten. Ein Leben in Heiligkeit, Gerechtigkeit und Frieden ist ein Leben, das den Mitmenschen in den Blick nimmt. Wir werden dazu aufgefordert, dass die Ressourcen an Nahrung und anderen Dingen so verteilt werden, dass nicht nur die Menschen satt werden, die auf der reichen Nordhalbkugel unserer Welt wohnen, sondern auch die anderen. Wir sollen darauf achten, in der Verantwortung vor Gott unser Leben zu führen und nicht mehr nach unserem Belieben.
Wir werden ermutigt, die Tür zum Mitmenschen offen zu halten, mit ihm oder ihr in Frieden zu leben und in das Lob einzustimmen.
Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn Jesus Christus ist im Kommen. Amen.

Ernst Schmidt