Lesepredigt
Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr
1. Thessalonicher 5, 1-11


Liebe Gemeinde,
die Themen: Tod, Ewigkeit, Reich Gottes bestimmen die letzten Sonntage des Kirchenjahres, das mit dem Totensonntag am 22. November endet.
Man denkt an die Angehörigen und Freunde, die schon verstorben sind. Viele besuchen die Gräber und stellen in diesen Tagen Kerzen und Lichter auf.
In der nun dunkler werdenden Jahreszeit, wo die Natur sich für den Winter vorbereitet wird uns die Endlichkeit unseres Lebens bewusst. 
Haben Sie sich mit dem eigenen Sterben auseinandergesetzt? Sind Sie bereit? Sind Sie bereit zur Begegnung mit Gott? Vorausgesetzt, Sie vertrauen auf das, was die Bibel uns sagt;  dass wir nämlich nicht einfach vergehen. Der Tod ist zwar das Ende unseres bisherigen Lebens, aber er ist auch Übergang, Tor zum Lichte Gottes, zu Gottes Herrlichkeit, zu einem Leben bei und in Gott. Jesus selbst sagte: „Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“  
Ich habe ein Seil mitgebracht. Dieses Seil steht für unsere Lebenszeit. 
Diese 30 Zentimeter, die mit Leder abgedeckt sind stehen für unsere Lebenszeit hier auf der Erde. Die Lebenszeit beginnt eigentlich schon bei Gott noch vor unserer Geburt, denn wir sind von Gott geliebt und gewollt. Damit es aber nicht zu kompliziert wird sagen wir einfach einmal: Der Anfang ist unsere Geburt. 
Hier wo der Übergang zwischen Leder und Hanf ist, das ist der Zeitpunkt, wo wir sterben. Und dieses lange Stück vom Seil, das ist die Ewigkeit ohne Ende. Leben im Lichte Gottes, Leben im umfassenden Frieden, im Schalom. Dieses unvergleichlich längere Stück des Seils steht für das ewige Leben, wo der Tod nicht mehr sein wird, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz. Ewiges Leben, wo Gott die Tränen des Leidens und der Trauer abgewischt hat. Leben, wo alles wieder in Ordnung kommt, vergeben, geheilt, gut, sehr gut. 
Wir Menschen beschäftigen uns meist mit dem ledernen kleinen Teil. Unser Leben hier: Was wir essen und trinken. Die Arbeit beschäftigt uns. Das berufliche Weiterkommen. Die Sorge um unsere Kinder und Enkel. 
So ist ja unser Leben- gefüllt mit Gedanken, mit kleinen und großen Verpflichtungen, mit Dingen, die wir erledigen wollen und Dingen, die wir erledigen müssen.  Und diese Gedanken haben ihre Berechtigung. Manche von Ihnen sind wichtig für unser Leben hier. Keine Frage. Aber wenn ich mir das Seil hier so anschaue, und wenn ich dann sehe, wie viel davon unsere Lebenszeit hier ist und wieviel davon Ewigkeit, dann frage ich mich, ob wir unsere Prioritäten richtig setzen. Sind wir nicht viel zu viel mit unserem Leben hier beschäftigt und vernachlässigen wir nicht die Beschäftigung mit der Ewigkeit und dem ewigen Gott?
Sind Sie bereit für die Ewigkeit? Sind Sie bereit zur Begegnung mit Gott? Denn das kann plötzlich geschehen. Im Predigttext heißt es: „Ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird, wie ein Dieb in der Nacht.“ Nun muss man wissen, dass die Menschen damals, als der 1. Thessalonicherbrief geschrieben wurde, dachten, dass Jesus Christus zu ihren Lebzeiten wiederkommen würde. Er würde aus den Wolken des Himmels kommen und dann alle Menschen um sich herum sammeln. Mir als Menschen von heute ist diese Vorstellungswelt fremd. Ich rechne nicht mit so einem Kommen Jesu. Aber ich bin gewiss, dass auch für mich der Tag des Herrn kommt, die Begegnung mit dem dreieinigen Gott. Der Tag des Herrn kommt in dem Moment wo ich sterbe. Wann das sein wird, weiß ich nicht. Wie ein Dieb in der Nacht – unberechenbar. So kommt der Tag des Herrn ganz oft. Es braucht nur mein Herz aufhören zu schlagen, oder ich werde auf dem Weg nach Hause überfahren oder ein Äderchen platzt in meinem Kopf und der Tag des Herrn ist da. Unser Leben ist gefährdet und bleibt gefährdet.
Der Predigttext sagt auch, dass der Tag des Herrn bestimmt kommt. Er überfällt uns, wie die Wehen eine schwangere Frau. Das heißt, der Tag des Herrn, die Begegnung mit Gott kommt unausweichlich - so wie die Wehen unausweichlich vor einer Geburt stehen. 
Mit unserer Geburt ist vieles in unserem Leben noch ganz offen. Was jedoch schon klar ist bei unserer Geburt: Wir werden irgendwann einmal sterben. 
Das muss uns nicht ängstigen. Wir brauchen nicht durch unser Leben zu gehen mit dem Gedanken, dass gleich etwas Schlimmes passieren könnte. So sollte man auch nicht durch das Leben gehen, denn dann würden wir die Freude am Leben verlieren. Gott schenkt uns Leben, das irgendwann endet, aber jetzt ist es erst einmal da, für uns zur freien Verfügung. Gott schenkt uns Leben und wir können das Leben auskosten und gestalten.  Gott schenkt uns darüber hinaus ewiges Leben. Er hat uns bestimmt, das Heil zu erlangen durch unseren Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben. 
Ewiges Leben ist uns zugesprochen. Jesus Christus ist Bürge dafür. Die Freude über unser Leben und die Freude, dass da noch ganz viel mehr kommt, sollen uns wach machen. Ihr seid Kinder des Lichts und Kinder des Tages, darum lasst uns wach und nüchtern sein. 
Natürlich darf man nachts schlafen, aber wir sollen das Leben nicht verschlafen. Wir dürfen und sollen uns am Leben freuen. Wir brauchen nicht alles in die 60, 70 oder 80 Jahre Leben, die wir haben hineinpressen, denn es kommt ja noch so viel – Ewigkeit.
Wir sind Kinder des Lichts, angestrahlt von der Liebe Gottes. Er hat uns in diese Welt hineingestellt. Für jeden und jede ist ein Platz, den wir finden und an dem wir wirken können. Wir dürfen und sollen die Welt mitgestalten. Jeder an seinem Platz.
Gott rüstet uns zu, zum Leben in dieser Welt. Ihr seid „angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.“
Wenn vom Panzer und vom Helm gesprochen wird, dann war das die Schutzkleidung des Soldaten in der damaligen Zeit. Es handelte sich nicht um Waffen, die man beim Angriff benötigte, sondern um die Schutzkleidung vor Verletzungen, wenn man angegriffen wurde. Der Glaube an Gott, die Liebe zu den Menschen und die Hoffnung auf die Ewigkeit helfen uns in dieser Welt zu bestehen, zu wirken und zu gestalten. Sie schützen uns vor Resignation.
Denn manchmal könnte man resignieren: Wie langsam werden die großen Probleme angegangen, vor denen die Weltgemeinschaft steht. Der Klimawandel, Abrüstung, Friedensstiftung, Schaffung von Gerechtigkeit in der Welt, sind riesige Aufgaben. Sie werden oft behindert und verhindert durch Eigeninteressen.
Hier kann uns der Helm des Glaubens, die Liebe zu den Menschen und die Hoffnung auf Ewigkeit helfen mutig Schritte zu wagen, um die Welt zu verändern. Wir können uns etwas zutrauen.
Den Helm des Glaubens, die Liebe zu den Menschen und die Hoffnung auf Ewigkeit benötigen wir nicht nur in der großen Politik, sondern auch in unserem Alltag, in der Familie, am Arbeitsplatz, im Leben miteinander. Wenn wir liebevoll aufeinander achten und den anderen in seiner Andersartigkeit annehmen kann das Zusammenleben gelingen, oder wie es der Predigttext sagt: dann kann der eine den anderen erbauen. Denn wir sind Kinder des Lichts – von Gottes Liebe angestrahlt. 
Sind Sie bereit? Ja! Wir sind bereit für ein Leben mit Gott, mit all unseren Stärken und all unserem Versagen und Gott geht mit. Und am Ende ist da noch so viel mehr. Gottes Ewigkeit. Darum: Lebt als Kinder des Lichts! Amen. 

Ernst Schmidt