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Sonntag , 7. März 2021

Worauf bauen wir? (Weltgebetstag 2021/ Vanuatu)


Liebe Gemeinde,

„Worauf bauen wir?“ so lautet das deutsche Motto des Weltgebets-tages in diesem Jahr. Und das ist ja eine berechtigte Frage: „Worauf bauen wir?“ – in unserem Leben und Glauben – worauf bauen wir? Gerade jetzt in den Zeiten der Pandemie, wo nach einem Jahr der Einschränkungen und Sorgen die Nerven bei vielen Menschen blank liegen. Worauf bauen wir? Es ist die existentielle Frage nach dem Fundament unseres Lebens. 

Und so haben die Frauen aus Vanuatu einen Text aus der Bergpre-digt aus dem Matthäusevangelium als theologisches Fundament ausgesucht. Die vier Verse sind in der Lutherbibel mit der Über-schrift versehen: Vom Hausbau.

„Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.“

Wer meine Rede hört, so beginnt Jesus diesen Abschnitt. Das Hören ist einer der fünf Sinne. Hören braucht Aufmerksamkeit. Vielleicht ist es Ihnen auch schon mal passiert, dass Sie an-deren eine Frage stellen, aber die Antwort gar nicht mehr hören, weil Sie in Gedanken schon weitergewandert sind. Zuhören setzt Aufmerksamkeit voraus, dass ich auf den anderen einlasse und genau zuhöre und verstehe, was mein Gegenüber sagt. 

Daran fehlt es oft im menschlichen Miteinander. Man hört sich oft gar nicht wirklich zu, sondern ist sofort anderer Meinung, hört gar nicht mehr weiter zu, meinend man kennt schon alles, was das Gegenüber vorzubringen hat. Ein wirkliches Hören auf Argumente und Sichtweisen findet im politischen oder gesellschaftlichen Diskurs kaum mehr statt. Leider, denn so können die Sorgen und Argumente des anderen nicht wahrgenommen und verstanden werden. Und es kann auch keine Lösung oder ein Kompromiss stattfinden. 

Wer meine Rede hört und tut, d.h. Hören und Handeln bedingen einander. Es bleibt nicht bloß beim Hören und Verstehen, also bei einer bloßen Kopfgeburt. Sondern das Gehörte will und soll umge-setzt werden. Auch das ist etwas, was uns oft schwerfällt: das Gehörte (und Verstandene) in Handlung umzusetzen. 

Und da brauche ich gar nicht als Beispiel die Politik mit ihrer verschleppten Klimapolitik heranzuziehen, obwohl die Warnungen der Wissenschaftler schon lange laut zu hören waren und sind. Nein, es ist viel zu einfach, auf die anderen zu zeigen. Jedem und jeder von uns fällt es schwer, klimaneutral zu handeln: denn der Weg zur Kirche ist einfach schneller mit dem Auto zurückgelegt, das Gemüse aus Übersee beim Discounter wird unbedacht mit in Einkaufswagen gepackt und das billige neue T-Shirt sieht so hübsch aus, dass ich nicht widerstehen kann … 

Ich denke, Ihnen fallen bestimmt auch einige Beispiele aus Ihrem Leben ein, wo Sie gegen etwas handeln, was man doch eigentlich gehört, verstanden und eingesehen hat. Die Umsetzung von Gehörten ins Tun fällt uns eben manchmal schwer. 

Hören und Tun – das muss übereinstimmen, sonst wird man unglaubwürdig. (Ein Vorwurf übrigens, dem Christ*innen immer wieder ausgesetzt sind). Doch was sollen wir denn nun konkret tun? Wovon spricht Jesus konkret? Die Worte vom Hausbau sind der Abschluss der Bergpredigt, insofern gilt das Hören und Tun für alle Worte, die Jesus dort auf dem Berg gesprochen.

In der Bergpredigt geht es im Wesentlichen um das Handeln des gläubigen Menschen, das sich an der Nächstenliebe und den Geboten Gottes orientieren soll. Zusammengefasst wird der Inhalt der Bergpredigt in der sogenann-ten „Goldenen Regel“: Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten. (Mt 7,12)

Handeln, so als wäre mein Gegenüber ich selbst – ein Auftrag, der nicht immer leicht umzusetzen ist. Ja, oft gelingt mir mitmenschliches Handeln gut, aber immer wieder auch nicht. Wie gut ist es, dass ich in meinem Handeln nicht allein bin, sondern dass mir Gottes Liebe dafür die Kraft gibt. Denn nur dadurch, dass Gott mich liebt und so annimmt wie ich bin und mir immer wieder mein Versagen vergibt, finde ich immer wieder die Kraft, diese Liebe Gottes an meine Mitmenschen weiterzugeben. Und im Falle meines Versa-gens ist immer wieder ein neuer Anfang möglich, da Gottes Liebe so groß und barmherzig ist, dass wir es nicht verstehen können. 

Das Vertrauen auf Gott, seine unendliche Liebe und seine unfassbare Barmherzigkeit sowie das Handeln in Gottes Sinn ist das Fundament, das unser Lebens- und Glaubenshaus fest und stabil verankert. Dann ist das Fundament stark/ stabil genug, dass es den Stürmen des Lebens, Schicksalsschlägen, Zweifeln und vielem mehr standhalten kann. Auf Gott können wir bauen.

„Worauf bauen wir?“ Mit dem deutschen Motto des Weltgebetstags habe ich die Predigt begonnen. Die Frauen aus Vanuatu haben ihr Motto in Englisch formuliert: „Build on a Strong Foundation“ heißt es. Übersetzt: „Auf einem festen/ starken Fundament bauen“ – entweder als Aussage oder als Aufforderung! Es ist also keine Frage, worauf wir bauen sollen. Den Frauen in Vanuatu ist klar: es kann nur Gott sein, dem wir vertrauen, dem wir zuhören und dessen Worte wir in die Tat umsetzen immer und immer wieder. Es kann nur Gott sein, dem wir vertrauen und mit ihm schwierige Zeiten überstehen. Es kann nur Gott sein, der das Fundament unseres Le-bens und Glaubens ist - immer und alle Zeit. 

Ich wünsche Ihnen alles Gute und Gottes Segen,

Ihre Pastorin Ulrike Kobbe