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Sonntag Sexagesimae, 7. Februar 2021

Gottes Wort bleibt nicht ohne Wirkung (Jesaja 55,8-11)

Liebe Gemeinde,

Worte wirken. Nicht alle. Und nicht alle Worte wirken gleich. Das

kennen wir, das erleben wir jeden Tag. Denn es vergeht kein Tag, an dem nicht viele Worte gesprochen werden. Worte sind das wichtigste Werkzeug unserer Kommunikation. Viele Worte sind darunter, die vorbeirauschen. Wie politische Worthülsen: „Wir werden alle unsere Möglichkeiten ausschöpfen, um zeitnah eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden.“ Eine hohle Blase, zu oft gehört, die nichtssagend verklingt.

Aber es gibt andere Worte, die uns erreichen: sie können uns erfreuen und beschweren, sie können heilen und verletzen. Worte die gut tun und entmutigen: „Wir bekommen ein Kind!“ „Wie schön, dass du angerufen und mir zugehört hast!“ „Du bist fett und hässlich!“ „Wir können Sie nach der Probezeit leider nicht übernehmen.“ Diese Worte, von Menschen gesprochen, können unser Leben in die ein oder andere Richtung verändern.

Wie wirkt aber Gottes Wort? Ein Prophet, wir nennen ihn heute Deuterojesaja, also der zweite Jesaja schreibt: „Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“

Gottes Wort wirkt. Das war schon immer so, von Beginn der Zeit an. Im Schöpfungsbericht erschafft Gott die Welt, indem er spricht: Gott sprach, es werde – und es ward. In der Geschichte spricht Gott zu verschiedenen Menschen, Abraham, Mose, den Propheten, und diese geben Gottes Wort an die Menschen weiter. Gottes Worte sind Verheißungen und Versprechungen, Mahnungen und Straf(androhung)en, Kritik der Verhältnisse und Ermutigung zur Veränderung. Es sind Worte, die etwas bewirken. Worte, die die Wirklichkeit verändern. Es sind Worte, denen sich die Menschen nicht entziehen können.

Dieses Bild von Gottes Wort, das wie Regen auf das Land fällt und die Erde fruchtbar macht, das wird die Menschen in Israel angesprochen haben: viel zu oft, war die Erde trocken und schwer zu bearbeiten.

Und erst durch einen der seltenen Regenfälle, war es der Natur möglich zu grünen und zu wachsen.  Neues Leben entsteht - was für eine wunderbare Perspektive.

Den Menschen zur Zeit des Deuterojesajas ging es schlecht: Israel war von den Babyloniern besiegt worden, Teile der Gesellschaft nach Babylon verschleppt. Der Tempel in Jerusalem war zerstört, das Land durch den Krieg beschädigt. Die Menschen waren deprimiert, ihnen fehlte eine Perspektive für die Zukunft. Und immer wieder fragten sie sich, ob Gott die Menschen verlassen hat.

In diese Situation spricht der Prophet Gottes Wort, eine Trostbotschaft, die die Menschen erreichen soll: „Tröstet mein Volk“, so beginnt Gottes Botschaft für die Menschen. Und er verheißt Israel eine gute und sichere Zukunft und gibt den Menschen eine verheißungsvolle Zukunftsperspektive, die trägt. So gestärkt können die Menschen hoffnungsvoll beginnen, ihr Land neu aufzubauen und zu gestalten.

Ja, Gottes Wort wirkt und gestaltet Wirklichkeit, indem es auf Menschen trifft, die es hören, auf sich wirken lassen, es weiter in Tat und/ oder Wort weitergeben. Und doch ist die Wirkung von Gottes Wort nicht von den Menschen abhängig, die es hören oder lesen.

Gottes Wort wirkt wie der Regen: es sieht so aus, als fällt nur Was-

ser auf die Erde und versickert. Doch aber durch das Zusammenspiel von Erde, Wasser und Sonne bringt die Erde Keimlinge hervor, Pflanzen können wachsen und Frucht bringen.

Solch ein Gotteswort voller Hoffnung und Trost wünschen wir uns heute auch. Unser Land ist glücklicherweise nicht durch einen Krieg und seine Folgen zerstört, aber die Menschen und die Wirtschaft ächzen unter den Belastungen. Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie lasten schwer auf jedem und jeder einzelnen – und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Da täte so ein Trostwort gut!

So ein Wort, wo wir spüren können: Gott ist da, ganz nah bei uns. Er weiß, wie schwierig diese Zeit für viele Menschen ist. Und da hilft ein Wort, das mir Kraft gibt, schwere Phasen zu überstehen: die Belastung des Homeschoolings für die Familien, Krankenhausaufenthalte, die immer belastend sind, aber in Corona-Zeiten durch Besuchsbeschränkungen noch schwieriger sind, familiäre oder freundschaftliche Beziehungen, die durch Corona nur auf Telefon und maximal Videotreffen beschränkt sind, die Existenzangst, die Einsamkeit, die Traurigkeit.

Mein Gotteswort, das mich schon lange begleitet, mal mehr mal weniger intensiv, ist mein Konfirmationsspruch. Ich durfte ihn mir selbst aussuchen, weder von meinen Eltern noch vom Pfarrer habe mich beeinflussen lassen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich den Spruch damals noch nicht gänzlich in seiner Bedeutung verstanden habe. Aber ich habe gefühlt, dass er zu mir passt: „Gott spricht: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein!“

Seit nurmehr fast 34 Jahren begleitet mich dieser Vers aus der Feder des sogenannten Deuterojesaja auf meinem Weg durch das Leben. Diese Worte gegen die Angst machen mir Mut und geben mir Kraft, schwierige Phasen in meinem Leben und Glauben durchzustehen. Gerade sucht mein Sohn seinen Konfirmationsspruch und ich versuche, ihn nicht zu beeinflussen. Und hoffe, dass dieser Spruch auch ihn sein Leben lang begleitet.

Vielleicht kennen Sie ja Ihren Tauf- und/ oder Konfirmationsspruch auch noch, und er hat Ihnen im Laufe Ihres Lebens gute Dienste erwiesen. (Sonst wäre heute eine gute Gelegenheit, diese Sprüche mal nachzuschauen.) Ich hoffe, dass es in Ihrem Leben ein Gottes Wort gibt, dass Sie begleitet und stärkt. Ein Wort, an dem Sie sich festhalten können, wenn es gerade schwierig ist. Ein Gotteswort, das in Ihrem Leben wirkt. Und falls Sie gerade auf der Suche nach einem Bibelvers sind und dabei Hilfe benötigen: mein Kollege und ich helfen Ihnen gerne, wenn Sie möchten.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und Gottes Segen, 

Ihre Pastorin Ulrike Kobbe