Konfirmation in Corona-Zeiten

Die Corona-Pandemie hat mich als Verantwortliche für den Konfirmand*innenunterricht kalt erwischt: Bisher war es für mich gar keine Frage, dass wir uns im Gemeindehaus oder in der Kirche getroffen haben, miteinander geredet und diskutiert, gelacht und gespielt, manchmal auch gegessen und getrunken haben. Und dann Mitte März 2020 der Lockdown: keine präsenten Treffen mehr.

Von manchen Konfis hatte ich keine Handynummer, Kommunikation lief erst einmal nur über E-Mail-Adressen der Eltern. Nach und nach entstand langsam die Idee, per Zoom einen Video-Konfirmandenunterricht zu gestalten. Was zu Beginn noch für alle neu und aufregend und für mich als Unterrichtende ungewohnt und fremd war, wurde zu einem Medium, das es mir ermöglicht, mit den Jugendlichen in Kontakt zu sein.

Und immer noch probiere ich neue Formen und Methoden aus:  mal als Quiz im Chat, als Begrüßungsrunde mit Kameraabdecken oder als Gruppenarbeit in Breakout-Sessions. Manches macht allen Beteiligten Spaß, manches misslingt – so ist das beim Ausprobieren.

Glücklicherweise werde ich unterstützt von einigen jugendlichen Mitarbeitenden, die sich so viel besser mit den digitalen Medien auskennen und mir einiges an Organisation abnehmen und mir digitale Hilfestellung geben.

Und dann waren plötzlich Leute im digitalen Meeting-Room, die da gar nicht hingehörten. Daraufhin musste ich mich mit der Sicherheit von Zoom-Konferenzen auseinandersetzen und statt einem Hygienekonzept ein Sicherheitskonzept für den digitalen Konfirmand*innenunterricht erarbeiten. Seit dessen Umsetzung laufen die Treffen zum Glück störungsfrei.

Nach wie vor empfinde ich den Bildschirm als Hindernis, auch wenn natürlich über den geteilten Bildschirm Gruppenarbeit oder Filmgucken möglich ist. Doch ich freue mich darauf, wenn ich hoffentlich bald allen Konfirmand*innen wieder präsent begegnen kann, wir wieder in einem Raum oder auf der Wiese sitzen, erzählen und gemeinsam lachen. Denn eins ist mir noch mal deutlich vor Augen geführt worden: Gemeinde ist Gemeinschaft und dazu gehören auch Begegnungen und gemeinsame Erfahrungen - und diese nicht nur über einen Bildschirm.

Die Konfirmationen in Zeiten von Corona sind schwer planbar und benötigen ein großes Maß an Flexibilität: schon im vergangenen Mai sollten 34 Jugendliche konfirmiert werden, aber da während des ersten Lockdowns keine Gottesdienste stattfanden, mussten die Konfirmationen verschoben werden. Die Familien hatten die Möglichkeit zu wählen: Konfirmationsgottesdienste mit kleinen Gruppen von Konfirmand*innen oder lieber ein Jahr warten.

So entschlossen sich etwa zwei Drittel der Familien, die Konfirmation im Herbst 2020 unter Corona-Einschränkungen zu feiern: mit Abstand (nur jede zweite Reihe war besetzt) und Maske (zum Teil auch bei Einzug und Segnung), mit begrenzter Zahl von Gästen und Gemeindegliedern, keine Posaunen und nur ein kleiner Jugendchor – alles ganz anders und weniger als gewohnt, aber nicht weniger festlich, so waren die Rückmeldungen.

Und die Konfirmationen in diesem Jahr? Der geplante Termin im Mai fiel wieder in eine Zeit, in der wegen der hohen 7-Tage-Inzidenz in Duisburg keine Gottesdienste in der Versöhnungskirche stattfanden. Die Familien hatten die Wahl: entweder eine Einzelsegnung im Mai, (voraussichtlich) als Kleingruppe im September oder erst im März nächsten Jahres.

Alles nicht einfach, aber die Erfahrung zeigt: Flexibilität von allen Beteiligten ist gefragt. Man versucht, was möglich ist. Und anders ist nicht unbedingt schlechter und kann dem Ereignis angemessen und sehr festlich sein. Und doch freue ich mich wieder auf voll besetzte Konfirmationsgottesdienste mit Posaunenchor und Kantorei.

Pastorin Ulrike Kobbe